2010/12/18

[Interviews] Alexisonfire

Nimmermüde sind sie, die Jungs von Alexisonfire. So auch im Jahre 2010, in dem sie im Grunde genommen immer noch ihr im Vorjahr erschienenes Album „Old Crows/Young Cardinals“ betouren und bewerben. Das Vainstream Beastfest, welches im Wiesbadener Schlachthof für zwei Tage zahlreiche laute Truppen unterschiedlichster Couleur aufspielen ließ, gab den Kanadiern am Freitagabend die Gelegenheit, einen musikalischen Querschnitt ihrer vier Alben zu präsentieren. Im Vorfeld ihres Auftrittes hatten wir  die Gelegenheit mit Gitarrist Dallas Green zu plaudern.

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Dieser dürfte so manchem auch vor allem durch sein akustisches Nebenprojekt City and Colour ein Begriff sein. Fragen zu diesem Projekt wurden im Vorfeld leider nicht gestattet und so musste ein nicht zu verachtender Teil an Fragen wieder aus dem Katalog gestrichen werden. Schade, aber durchaus auch verständlich. Zum Gespräch, welches sich um italienische Restaurantketten, politische Aussagen in Alexisonfire-Songs und kapitalen Ticketideen drehte, wurde man von einem leicht verknautschten, aber sehr freundlichen und geduldigen Dallas empfangen.
 
 Hey Dallas. Wie läuft die Tour bisher?
Oh, ziemlich gut. Wir haben zwar noch nicht allzu viele Konzerte auf dieser Tour gespielt, aber bisher läuft es echt klasse. Wir kommen gerade direkt aus einem Wald in Norwegen, was wunderschön war. Und nun befinden wir uns hier im verschwitzten Deutschland.

Das klingt interessant. Was habt ihr in den Wäldern Norwegens gemacht?
Wir haben auf einem Festival gespielt, welches Hove Festival heißt. Es war großartig.

Freust du dich schon auf die Show heute Abend?
Ja, das dürfte durchaus interessant werden. Wir spielen mit sehr vielen lauten Bands, die auch noch größtenteils wesentlich lauter sind als wir. Ich hoffe, dass das funktioniert. Wir haben übrigens auf der allerletzten Snapcase-Show gespielt, die vor 5 Jahren stattgefunden hat. Umso schöner ist es, dass wir jetzt auf ihrer Reuniontour wieder mit ihnen spielen können.
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Gibt es denn irgendetwas, was dir am Touren in Europa und vielleicht speziell Deutschland besonders gefällt? Du müsstest dich ja mittlerweile ganz gut hier auskennen.
Allerdings. Es gibt hier eine Restaurantkette, die Vapiano heißt. Dort gibt es hervorragende Pizza und Pasta und ich habe heute mal wieder dort gegessen. Wirklich, wirklich gut. Wir haben diese Kette hier im letzten November entdeckt, als wir auf Tour waren. Das Essen ist lecker, die Bestellung dort leicht und schnell – perfekt also für eine Band, die am Touren ist. Aber im Allgemeinen ist es so, dass man die Unterschiede zwischen Europa und Amerika nur anhand der Städte erkennt. Wenn wir abends auf der Bühne stehen und unsere Lieder spielen, dann kann man eigentlich keinen Unterschied ausmachen. Dann im Endeffekt ist es immer das Selbe. Musik bringt die Zuschauer nun einmal auf das gleiche Level während einer Show. Natürlich tanzen die Kids hier und dort ein wenig anders oder brüllen dich aus der Masse mit unterschiedlichen Akzenten an, aber am Ende ist es sehr einheitlich, da ja alle aus dem gleichen Grund auf der Show sind.

Mir ist aufgefallen, dass ihr, vor allem in Europa, auf sehr vielen Festivals spielt. Findest du, dass Alexisonfire eine Band ist, die gut auf Festivals und den riesigen Bühnen funktioniert?
Puh, das ist schwer zu sagen. Es scheint einfach so, dass es das ist, was es hier drüben im Sommer zu machen gilt: Festivals spielen. Hier gibt es so viele, vor allem in Deutschland und England, dass man nicht herum kommt dort zu spielen. Natürlich, es ist schon sehr seltsam, wenn man tagsüber in der brennenden Sonne spielt. Vor allem, wenn die Show durchgehend mit Licht untermalt wird, was im Endeffekt wie eine riesige Energieverschwendung wirkt. Aber es ist natürlich schwerer die Energie einer Clubshow von so einer Bühne aus auf das Publikum zu übertragen, auch wenn wir immer unser Bestes geben. Im Grunde genommen spielen wir auch gar nicht wirklich anders, aber manchmal bedarf es einiger extra-Ansagen, um das Publikum in Bewegung zu bekommen.

Ich habe vor kurzem gelesen, dass ihr auf einer Tour spezielle Tickets angeboten habt, mit denen Fans vor der Show ein meet-and-greet kaufen konnten. Wie ist diese Idee entstanden?
Nun, in erster Linie ist dies ein Angebot für die Fans von uns. Wir haben dies auf unserer Amerikatour gemacht und bei jedem Konzert etwa 30-40 Tickets dieser Art zusätzlich verkauft. Neben dem meet-and-greet gab es noch ein Poster dazu. Es ist sehr gut angenommen worden und uns hat es auch Spaß gemacht. Wir kommen im Herbst übrigens wieder nach Deutschland auf Tour – wer weiß, vielleicht machen wir etwas ähnliches ja auch hier bei euch.

Lass uns einmal auf eure aktuelle Platte „Old Crows / Young Cardinals“ zu sprechen kommen. Mir persönlich kommt es so vor, als würde sich jede neue Platte von euch beim Anhören völlig neu und unterschiedlich anhören und auch anfühlen. Ist das von euch als Band beabsichtigt, oder eher ein Reifeprozess der einzelnen Bandmitglieder?
Ich weiß nicht ob diese Antwort Sinn macht, aber ich denke es ist ein beabsichtigter Prozess. Wir gehen nicht an eine neue Platte heran und sagen: Ok, dieses Mal machen wir es anders. Aber wir gehen auf jeden Fall sehr aufgeschlossen daran und erlauben auch, dass alle möglichen Dinge passieren. Ich schätze aber, dass du es schon selbst ganz gut auf den Punkt gebracht hast: Jedes Mal, wenn wir an einem neuen Album arbeiten, geht es uns auch unterschiedlich. Wir haben Unterschiedliches zu tun, sind von den unterschiedlichsten Dingen beeinflusst und somit klingen die Lieder am Ende des Albumprozesses ganz anders. Ich will aber persönlich auch kein Album aufnehmen, welches wie das davor klingt.

Sind dir denn über die Jahre hinweg Veränderungen innerhalb der Band aufgefallen? Du hast so etwas ja gerade angesprochen.
Schwer zu sagen. Wir sind nun einmal alle sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Wenn ich mir zum Beispiel einen bestimmten Riff anschaue, kann es sein, dass die anderen Jungs von eine ganz andere Sichtweise auf eben diesen Riff haben. Eben, weil Sie in einer anderen Stimmung sind, oder sich gerade einfach mit ganz anderen Sachen beschäftigen. Uns gibt es nun schon neun Jahre und da ist es natürlich auch ganz normal, dass sich Personen verändern. Sie werden erwachsen und interessieren sich auch für unterschiedliche Dinge. Das sind natürlich auch alles Komponenten, die unserer Songwriting beeinflussen.

Wie wichtig ist es dir eigentlich eventuell durch Songs auch poltische Aussagen zu tätigen?
Nicht sehr wichtig. Es gibt sicherlich einige wenige Lieder auf unserer aktuellen Platte, denen man eine gewisse politische Aussagekraft zuschreiben könnte, aber eigentlich geht es dabei nur um unsere persönliche Meinung hinsichtlich gewisser Themen. Es geht uns nicht darum Leuten zu sagen, wie sie zu denken haben. Vielmehr sind es Sachen, die uns stören und bei denen wir glauben, dass wir darüber etwas schreiben sollten. Aber das Songwriting beeinflussen auch Komponenten wie die Natur, Bücher und natürlich auch wir selbst.

Ich würde mich mit dir gerne noch kurz über die Rock-/Hardcore-/Punkszene in Kanada unterhalten. Ich persönlich habe immer das Gefühl, dass die Szene von ihren „Mitgliedern“ her eine sehr junge ist. Stimmt das?
ImageDas kommt natürlich auch vor allem immer darauf an, welche Bands du betrachtest. Wenn du dir noch sehr junge Bands anschaust, werden auch die Fans oftmals sehr jung sein. In Kanada ist es bei unseren Shows so, dass du Zuschauer findest, die 13 Jahre alt sind, aber auch viele, die über 30 sind. Das kommt immer darauf an, ob Fans quasi mit ihrer Band älter werden, oder sich irgendwann nicht mehr für sie interessieren. Ich denke nicht, dass dies speziell etwas mit dem Land oder der Stimmung Kanada zu tun hat. Wenn du dir zum Beispiel die Band Bring me the horizon anschaust, wirst du feststellen, dass sie eine Menge sehr junger Fans haben, eben weil sie auch eine sehr junge Band sind. Die Kids schauen eben zu ihnen auf, weil sie größtenteils in etwa das gleiche Alter haben. Als wir mit Alexisonfire angefangen haben, war ich zum Beispiel 17 Jahre alt und unsere Fans waren größtenteils noch in der High-School. Viele dieser Fans sind mit uns gewachsen und auch heute gibt es noch viele Leute, die mit unserer neuen Platte viel mehr anfangen können, weil ihnen unser altes Zeug zu abgefahren war.

In Kanada bietet die Regierung an, junge Künstler finanziell zu unterstützen. Wie ist deine Meinung dazu?
Ja, das ist richtig. Du kannst dich mit Hilfe verschiedenster Formulare bewerben, dass dich die Regierung bei dem Drehen von Musikvideos oder beim Touren unterstützt. Wir haben da auch sehr stark von profitiert. Es ist eine gewisse Starthilfe, denn wenn du erst einmal genug Geld machst und dich selbst versorgen kannst, dann fällt diese Hilfe weg. Aber es ist wirklich eine große Hilfe, denn vor allem das Touren ist nun einmal sehr teuer. Vor allem, wenn man die Flüge ins Ausland betrachtet und die ganzen Mietkosten für Bewegungsmittel sieht.

Fühlst du dich denn dadurch nicht ein wenig unter Druck gesetzt? Im Glauben vielleicht etwas richtiges Gutes abliefern zu müssen, um etwas zurück zu geben?
Nein, absolut nicht. Mich beschleicht vielmehr ein Gefühl von Dankbarkeit. Denn wenn es um das Erschaffen von Musik geht, was ich ja nun bereits ein Drittel meines Lebens mache, dann lasse ich mich auch nicht unter Druck setzen. Vielmehr ist es mir unangenehm Interviews zu geben oder Photos zu machen, weil das eigentlich nicht der Grund ist, warum ich Musik mache. Ich mache Musik nicht, um über mich zu reden, an einem Photoshooting teilzunehmen oder ein Musikvideo zu drehen. Ich verstehe, dass das nun einmal ein Teil davon ist, aber unter Druck setzen lasse ich mich eigentlich nicht.

Ich gehe davon aus, dass du Kanada sehr liebst und diesem Land auch sehr verbunden bist. Aber gibt es für dich ein Land, welches du bereits bereist hast, in dem du dir vorstellen könntest zu leben?
Ja, das gibt es. Ich könnte mir definitiv vorstellen in Australien zu leben, ebenso in Stockholm. Vielleicht noch in Portland/Oregon, wenn es nicht in Amerika wäre (lacht).

Uns läuft die Zeit davon. Noch eine kurze Frage zum Schluss: Fährst du eigentlich noch Skateboard? Vor allem jetzt auf Tour?
Oh, klar fahre ich noch. Aber auf Tour habe ich es eigentlich nie dabei, da natürlich immer das Risiko besteht, dass ich mich verletze. Aber ich fahre auf jeden Fall noch.

Heute hättest du es ja durchaus gebrauchen können, zumal es direkt an diesem Gelände einen Indoor- und einen Outdoor-Skatepark gibt.
Ist das dein Ernst? Wirklich? Oh, dass ist ja großartig. Gibt es dort auch einen Skateshop?

Nein. Den gibt es hier, soweit ich weiß, nicht.
Schade, sonst hätte ich mir ja direkt ein Board kaufen können. Nunja, vielleicht beim nächsten Mal. Jetzt weiß ich ja bescheid und kann mich darauf einstellen (lacht).

Vielen Dank für das Interview, Dallas.

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